"English version will soon be available"

Uzes taucht ganz plötzlich aus der hügeligen Wildnis aus Krüppeleichen, wilden Kräutern und Heidekraut auf. Eingebettet in Weinfelder zeigt sich das als unscheinbar geltende Städtchen zuerst durch seine Silhouette der  vier unterschiedlichen Türme, die das Charakteristikum von Uzès ausmachen und die auf eine reiche Vergangenheit hindeuten.

Drei der Türme symbolisieren die Mächte, die lange Zeit das Schicksal der Stadt bestimmten: die Kirche, der französische König und der Herzog von Uzès, erster Herzog des Königreiches. Der vierte Turm, die Tour Fenestrelle ist am auffälligsten. Der alleinstehende Kampanile gehörte zu einer nicht mehr vorhandenen mittelalterlichen Kathedrale und ist das anerkannt schönste Bauwerk der Stadt.

Der in Frankreich einmalige runde, sechsstöckige Glockenturm im italienischen Stil stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist dem Turm von Pisa sehr ähnlich.

Auf den heutigen Besucher macht Uzès den Eindruck pulsierenden Lebens.

„Wer nicht von seiner Schönheit verzaubert wird,
hat keine Seele oder keine Augen.“
Jean Racine

Die ganze Stadt hat etwas erfreulich Italienisches, einen reizvollen, lebendigen Charme, eine gemütliche aber auch quirlige Atmosphäre, die jeden Samstag wenn der traditionelle Wochenmarkt stattfindet ihren Höhepunkt erreicht.

Auf dem  Place aux Herbes  mit seinen  Arkaden und am Grand Boulevard entsteht das bunte Marktbild verschiedenster Warenangebote und ...

die unzähligen Cafes und Bistros unter Platanen, Arkaden und um die Brunnen füllen sich mit Marktbesuchern aus der ganzen Region.

Aber auch an anderen Tagen sind die kopfsteingepflasterten Straßen mit ihren attraktiven Boutiquen, Einrichtungsläden und Cafes unter freiem Himmel ein verlockendes Ausflugsziel.

Uzès ist das Zentrum einer alten, aristokratischen Region, in der heute viele Châteaux und Landsitze in Privatbesitz sind.

Der Herzogspalast, die Duché, mit der prächtigen Renaissance-Fassade lässt ahnen, warum hier ein aristokratisch betontes Stadtbild entstehen konnte.

Der Grand Boulevard mit seinen restaurierten Stadtpalästen aus dem 17. und 18. Jahrhundert mit ihren typischen, mandelgrünen Fensterläden, den auffallend gut angelegten Gärten, Prunkterrassen und Treppen lässt uns noch jetzt das Flair dieser ehemaligen Residenz spüren.

Ursprünglich befand sich hier ein römisches Feldlager namens Ucetia. Später entstand um den herzoglichen Palast, den Duché, das mittelalterliche Uzès. Seit fast tausend Jahren ist der Duché im Besitz der Familie Crussol d’Uzès.

Ebenso wie Nîmes war Uzès ein Zentrum des protestantischen Widerstands. Die Tour Fenestrelle ist das einzige, was von einer romanischen Kirche übriggeblieben ist, die während der Religionskriege zerstört wurde, und in der Kathedrale Saint-Théodorit aus dem 17. Jahrhundert ist auf einer Seite eine hölzerne Empore zu sehen, die eilig errichtet wurde, als die Hugenotten gezwungen wurden, ihrem Glauben abzuschwören und zur Messe zu gehen, unten im Kirchenschiff aber nicht alle Platz fanden ...

Bereits im vierten Jahrhundert war hier schon unter der römischen Oberhoheit ein Bischof eingesetzt. Das Bistum Uzès stand damals im gleichen Rang wie die noch heute bekannten von Albi und Le Puy mit ihren Kathedralen und Wallfahrtsorten. Dann aber trat im Jahre 1546 der Bischof von Uzès mit allen Priestern und der gesamten Bevölkerung aus der katholischen Kirche aus. Die Fürsten des Landes folgten spontan und wurden auch Protestanten. Seit dieser Zeit hat der Katholizismus in Uzès keine Bedeutung mehr.  Aber das „Erste Herzogtum Frankreichs“ wird demgegenüber im Schloss, in den Stadtpalästen und auf den Straßen deutlich betont.

Noch 1950 war Uzès in Gefahr, gänzlich zu verfallen, aber seit es 1960 vom damaligen Kultusminister André Malraux als eine der ersten Städte Frankreichs offiziell zur „ville d’art et d’histoire“ ernannt wurde, kam wieder Leben in die Stadt.

Malraux war ein Freund der verwitweten Marquise d’Uzès, die bereits damit begonnen hatte, den Duché zu restaurieren.

„Wer nicht von seiner Schönheit verzaubert wird“, schrieb er, „hat keine Seele oder keine Augen.“

 

Dies gilt für alle Dörfer der Umgebung: Collias, Castillon-du-Gard, Arpaillargues, Castelnau Collorgues, Saint-Quentin-la-Poterie (seit dem Mittelalter für seine Töpferwaren bekannt. Etwa ein Dutzend Töpfer aus anderen Regionen haben sich hier ihre Werkstätten eingerichtet) um nur einige zu nennen.

Uzès gehört neben Apt, Carpentras, Richerenches, Valréas zu den berühmten und streng kontrollierten Trüffelmärkten.

 


Der zweiundzwanzigjährige Jean Racine verbrachte ein Jahr in Uzès, wohin er geschickt worden war, um bei seinem Onkel, der Pfarrer in dem kleinen Weiler Saint-Maximin war, auf den rechten Weg gebracht zu werden. In den Briefen, die er nach Hause schrieb, steht nichts von einer Berufung für die geistliche Laufbahn, dafür aber sehr viel über die Schönheit des Landes, den Gesang der Zikaden und das köstliche Essen. Schließlich gelang es Racine, seine Familie umzustimmen: Er wurde einer der größten Dramatiker Frankreichs. Uzès blieb ihm im Gedächtnis:

Wichtige Anmerkung: Basis für den o. a. Text sind neben eigener, schon langjähriger „Liebesbeziehung“ zu Uzès, die beiden zu empfehlenden Bücher „Provence“ -  Einladung zum Genießen von Judith Devereux Fayard und das hervorragende Buch „Verborgenes im Lavendel“ (Vorder- u. Hintergründiges in der Provence) von H. G. Scholz. Manche Textpassagen sind wörtlich aus diesen Büchern übernommen.